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Vereinschronik
Geschichte des Gehörlosen Verein St. Gallen
1.9.1872
Im Jahr 1872 wurde der «Taubstummenverein St. Gallen» gegründet.
1874
Der Verein schafft sich eine eigene Fahne an. (Foto und Bericht der Fahneneinweihung siehe weiter unten)
1876
Viertes Jahresfest mit zweitägigem Ausflug ins St. Galler Oberland. Anschliessend wird dieser Verein nicht mehr erwähnt. Er wurde wohl stillschweigend aufgelöst. Teils auch wegen Streitigkeiten mit dem Schweiz. Taubstummenverein.
1909
Nach 33 stillen Jahren wurde 1909 ein weiterer St. Galler Verein gegründet. Diesmal agierten sie unter dem Namen «Taubstummen – Touristenclub» mit den Hauptzielen Kameradschaft und Bergwanderungen.
1927
Dieser Club erfuhr drei Namensänderungen: 1927 hiess der Klub neu «Gehörlosen –Touristenclub».
6.3.1938
Seit 1938 nannte er sich «Gehörlosenbund St. Gallen». Diese Namensänderung war nötig, da einige Gehörlose altershalber nicht mehr Bergwandern mochten.
25.2.1989
Fünf Jahrzehnte später, 1989, hiess er «Gehörlosenverein St. Gallen». Der alte Name führte zur Verwechslung mit dem Schweizerischen Gehörlosen Bund.
 
Geschichte des Gehörlosen Sportclub St. Gallen
27.5.1961
1961 wurde ein zweiter Gehörlosenverein in St. Gallen gegründet. Da dieser den Schwerpunkt im Kegeln hatte, hiess dieser «Gehörlosen – Kegelclub St. Gallen». Es gab 12 Gründungsmitglieder. Der Jahresbeitrag betrug 5 Franken. Erster Präsident war Theo Bruderer.
10.3.1962
Innert kurzer Zeit gliederten sich auch andere Sportarten zum Kegelclub, nämlich Korbball, Geländelauf und Handball, und deshalb wurde der Namen schon ein Jahr später in «Gehörlosen Sportverein St. Gallen» geändert.
20.10.1962
Organisation des «Schweizerische Gehörlosen Geländelaufmeisterschaft» mit Abendunterhaltung. An der Unterhaltung im Hotel Ekkehard waren 150 Personen anwesend. Tragischerweise starb ein Vorstandsmitglied während der Unterhaltung.
1963
Gründung der Abteilung Ski
16.3.1963
Erste Burghofmeisterschaft im Kegeln
31.8.-1.9.1963
Erste Bergwanderung
12.3.1966
Präsidentenwechsel von Theo Bruderer an Willi Steiner
Dez. 1966
Da nicht nur Stadt-St. Galler Gehörlose in diesem Club aktiv waren, sondern auch solche aus den beiden Appenzell, Thurgau und anderen Kantonen, änderte der Club seinen Namen 1966 in den «Gehörlosen Sportverein St. Gallen und Umgebung».
1967
Gründung der Abteilung Damenturnen
9.12.1967
Erste Klausfeier
8.2.1967
Die Delegiertenversammlung des SGSV-FSSS war zum ersten mal in St. Gallen. Sie wurde im Hotel Ekkehard durchgeführt.
1968
Gründung der Abteilung Jassen
27.9.1969
Gründung Abt. Fussball und erstes Fussballturnier mit Abendunterhaltung. Es kamen 230 Personen.
5.9.1970
Namensänderung in «Gehörlosen Sportclub St. Gallen», wirksam ab 1971

Logo des Gehörlosen Sportclub St. Gallen 1971-1996
25.1.-30.1.1971
Erste Goldmedaille an den Winterweltspielen in Adelboden: Helen Sonderegger gewann als 13-Jährige die Goldmedaille.
27.9.1971
10. Jähriges Jubiläum mit Abendunterhaltung.
10.-12.3.1972
Erste Ski-SM in Wildhaus: 21 Medaillen von 24 möglichen gingen zum GSCSG.
2.-8.2.1975
Helen Sonderegger gewann an den Winterweltspielen in Lake Placid Gold in allen Ski-Diziplinen
Frühling 1975
100. Mitglied des GSCSG
1975/1976
Die Handballmannschaft schaffte den Aufstieg in die 3. Liga
3.12.1976
Im Handball-Cup schaffte der GSCSG das Viertelfinale. Sie verloren gegen den NLB-Club STV St. Gallen 2:25
23.6.1979
Die Abteilung Schach wurde gegründet.
1980
Auflösung der Abteilung Korbball
1981
Die Abteilung Radsport wurde gegründet
1984
Auflösung der Abteilung Radsport
1985
Auflösung der Abteilung Handball
12.11.1985
Die Abteilung Volleyball wurde gegründet.
22.4.1986
Das 200. Mitglied wurde begrüsst.
13.9.1986
Der Club schafft sich zum 25. Jährigen Jubiläum eine neue Fahne an. (Foto siehe weiter unten). Es gab ein Fussball-, Volleyball, Kegel- und Schachturnier. Es kamen 600 Gäste.
7.-14.2.1987
Katja Tissi gewann Gold in der Abfahrt bei den Winterweltspielen in Oslo.
Juli 1988
Passivmitglied Daniel Hadorn wurde in Stockholm Schach-Weltmeister der Gehörlosen.
1990
Gründung der Theatergruppe
6.4.1990
Die Clubzeitschrift «GSC Aktuell» wird eingeführt.
5.5.1990
Beitritt zum «Schweizerischen Gehörlosen Bund SGB»
28.2.-8.3.1991
An den Winterweltspielen in Banff/CAN gewannen Katja Tissi und Werner Stäheli Gold in der Abfahrt.
1991
1991 organisierte der «Gehörlosen Sportclub St. Gallen», der inzwischen auch kulturelle Angebote machte und den Gehörlosenverein damit konkurrenzierte, den «Tag der Gehörlosen» mit verschiedenen Veranstaltungen. Das Thema hiess «Isolation, nein danke!» Der Höhepunkt war der grosse Sympathielauf, an dem Gehörlose und Sympathisanten aus der ganzen Schweiz mitgemacht haben. Für diesen Lauf wurde der öffentliche Verkehr der Stadt St. Gallen unterbrochen und es wurde in der Tagesschau ausführlich darüber berichtet.
1992
Vereinschronik 1961-1991 in Buchform erschienen
1992
Auflösung der Abteilung Geländelauf
 
Fusion beider Vereine
1.1.1996
1996 schlussendlich fusionierten die beiden St. Galler Vereine zu einem einzigen Verein, der ab 1999 bis heute den Namen «Gehörlosen Club St. Gallen, Sport & Kultur» trägt. Bis anhin wurde der Clubnahme «Gehörlosenclub St. Gallen» vorübergehend beibehalten.
4.2.1996
Schlüsselübergabe: Eröffnung des Gehörlosenzentrums «Habsburg»
1997
Geländelauf-Europameisterschaft findet in St. Gallen statt
1.1.1999
Namensänderung in Gehörlosen-Club St. Gallen, Sport & Kultur

Logo des heuten Gehörlosen Club St. Gallen
2000
Eröffnung der Website des Gehörlosen-Club St. Gallen www.gcsg.ch
2001
Erster Kofost (Kommunikationsforum Ostschweiz)
2004
Gründung der bilingualen Spielgruppe für ein paar Jahre
2005
Die Ski-Mannschaft des Gehörlosen Club St. Gallen gewinnt den Europa-Alpencup
2006
Übergabe der Erwachsenenbildung und des Kofost an die SGB-FSS. Vermehrte Kursangebote.
2008
Die Schach-Weltmeisterschaften der Gehörlosen findet in St. Gallen statt: regelmässiger Treff im Gehörlosenzentrum
2009
Einweihung des umgebauten Gehörlosenzentrums, professionelle Betriebsleitung
2011
50-Jahre Jubiläum
 
Zahlen und Daten
Vorstand und Präsidenten

Gründungsvorstand

Theo Bruderer, Peter Rattin, Hans Stössel, Adolf Locher, Ernst Nef, Ernst Hohl

Präsidenten

1961-1966: Theo Bruderer
1966-1969: Willi Steiner
1969-1970: Otto Merz
1970-1971: Gian-Duri Bivetti
1971-1973: Walter Gnos
1973-1978: Willi Steiner
1978-1988: Hans Martin Keller
1988-1993: Adolf Locher
1993-199?: Roland Hermann
199?-200?: Jakob Rhyner
200?-2004: Willi Steiner
2004-2009: Urs Hengartner
seit 2010: Harald Stäheli

Erfolge an Schweizermeisterschaften (Stand 1992)

Korbball-SM:

1971, 1972, 1973, 1974, 1975, 1976, 1978, 1979, 1980

Kegeln Einzel-SM:

Elite:
Adolf Locher: 1964, 1972, 1973, 1975, 1977, 1978, 1987, 1988
Hans Stössel: 1979, 1984
Hans Hofmänner: 1983

Senioren:
Ernst Nef: 1976, 1982, 1983, 1984, 1985

Damen:
Liselotte Wirth: 1985, 1986, 1987, 1988, 1989, 1990, 1992

Kegeln Mannschaft-SM:

1969, 1975, 1976, 1979, 1981, 1983, 1986, 1987, 1988, 1989, 1990, 1991, 1993

Kegeln Schweizer Cup:

1986, 1987, 1988, 1989, 1992

Handball:

3. Liga: 1973-1974, 1976-1979, 1983-1984
4. Liga: 1964-1973, 1974-1976, 1979-1983, 1984-1985

Ski-SM:

Elisabeth Koster: 7 Goldmedaillen (1969-1972)
Beatrice Ruf: 6 Goldmedaillen (1974-1978)
Helen Sonderegger: 9 Goldmedaillen (1978-1982)
Katja Tissi: 10 Goldmedaillen (1984-1990)
Hans Martin Keller: 18 Goldmedaillen (1972-1984)
Clemens Riederer: 4 Goldmedaillen (1974-1980)
Gerhard Walser: 1 Goldmedaille (1980)
Willi Herrsche: 4 Goldmedaillen (1982-1986)
Roland Schneider: 4 Goldmedaillen (1990-1991)
Werner Stäheli: 3 Goldmedaillen (1991)

Langlauf-SM:

Andreas Kolb: 1 Goldmedaille (1989)

Geländelauf Mannschaft-SM:

Herren: 1968, 1970, 1971, 1972, 1975, 1978, 1979, 1980, 1981, 1982, 1983, 1984, 1986
Damen: 1972, 1973, 1979
Interclub: 1978, 1979

Geländelauf Einzel-SM

Elite: Walter Gnos (1x), Andreas Kolb (2x), Willi Herrsche (1x)
Damen: Annemarie Studerus (1x), Elisabeth Koster (2x), Vreni Gnos-Frei (4x)
Senioren: Albert Koster (2x), Walter Gnos (3x)
Junioren: Andreas Kolb (3x)

Schach-SM:

Ernst Nef: 6x
Daniel Hadorn: 5x
Peter Wagner: 2x

Volleyball-SM:

1987 (Damen), 1988 (Herren)

Fussball Schweizer Cup:

1976, 1977, 1979, 1981

Tennis:

Herren:Clemens Rinderer (4x), Hans Martin Keller (1x)
Damen: Esther Bivetti (6x)

Erfolge an den Deaflympics (Stand 1992)

Ski Alpin:

Helen Sonderegger: 6 Gold, 2 Silber, 1 Bronze
Hans Martin Keller: 1 Silber
Katja Tissi: 2 Gold, 2 Silber, 1 Bronze
Werner Stäheli: 1 Gold

Weitere Teilnehmer: Otto Merz, Elisabeth Koster, Raduolf Bivetti, Beatrice Ruf, Clemens Rinderer, Marina Stampa, Willi Herrsche, Roland Schneider

Langlauf:

Teilnehmer: Werner Stäheli, Andreas Kolb

Handball:

Teilnehmer: Raduolf Bivetti, Heini Jost, Hans Martin Keller, Otto Merz, Hans Stössel, Rolf Zimmermann, Rainer Oehri, Rolf Scheiwiller, Toni Simeon, Werner Stäheli, Rudolf Walch

Tennis:

Teilnehmer: Clemens Rinderer, Esther Bivetti, Raduolf Bivetti

Leichtathletik:

Teilnehmer: Andreas Kolb, Markus Schättin

Erfolge an den Weltmeisterschaften (Stand 1992)

Schach:

Daniel Hadorn: Gold 1988

 
Fotos der Clubfahnen
Fahne des Taubstummenvereins St. Gallen 1874
Die lange verschollene Fahne wurde 1998 wiedergefunden. Bericht Fahneneinweihung siehe weiter unten («Unwürdige Bettelei» anno 1874).
 
Fahne des Gehörlosen-Club St. Gallen

Die 1986 geschaffene Fahne wurde 1999 auf Grund der Fusion leicht abgeändert (Name und Gründungsjahr)

So nebenbei

Der Gehörlosen Club St. Gallen ist jahrgangsmässig der älteste noch bestehende Gehörlosen Club der Schweiz.

Am längsten aktiv ist der GCSG jedoch nicht, da zwischen 1876 und 1909 «Stillzeit» gewesen ist. Somit ist der Gehörlosen Verein Bern momentan der am längsten aktive.

 

«Unwürdige Bettelei» anno 1874

Am 1. September 1872 wurde der «Taubstummenverein St. Gallen» gegründet. Bezüglich der Gründung lässt sich heute nichts näheres erfahren, dagegen sind die Umstände der Fahnenweihe des Taubstummenvereins gut dokumentiert. Ein Auszug aus dem Geschehen im Jahre 1874:

An einem Sonntag, den 1. März 1874, wurde anlässlich der Hauptversammlung die Vereinsfahne aus gestickter Seide eingeweiht. Darauf abgebildet war: das St. Galler Wappen mit dem Liktorenbündel, eingerahmt von einem Kranz aus Eichenlaub und Alpenrosen. Oberhalb des Wappens zeigte sie ein durchgeschossenes Ohr.

An dieser Hauptversammlung debattierte man, ob das diesjährige Taubstummenfest in St. Gallen stattfinden und ob ein Schweizerischer Taubstummenverein gegründet werden sollte. Der Zürcher Felix Bleuler hielt gegen beides eine Rede: «Die Anzahl der schweizerischen Taubstummenvereine ist noch zu klein und Erfahrung im Vereinsleben haben sie noch zu wenig. Es sollen sich erst einige Lokal- bzw. Ortsvereine über mehrere Jahre einüben und festigen, dann erst können kleinere Vereine durch Verbindungen mit anderen gross und stark werden.». Bezüglich des Taubstummenfestes sagte er, dass es für Festgeber und Teilnehmer grosse Kosten verursachen würde, und dass die meisten Taubstummen ja arm seien und sparen müssen und daher nicht alljährlich festen können.

Auch wenn obige Rede viel Beifall brachte, hat dies die St. Galler nicht beeindruckt, waren sie doch stolz auf ihre Fahne und wollten ein grosses Fest im Sommer gleichen Jahres organisieren.

Die St. Galler hatten ambitiöse Ziele, luden sie doch alle Taubstummen im Inland und die der Nachbarländer ein. In einem Aufruf hiess es: «Hervorragende Taubstumme von Berlin, Prag, Stuttgart, Genf usw. haben ihren Besuch versprochen». Auch die Anstaltsleiter der Taubstummenschule und weitere wohlgesinnte hörende Gönner wurden als Ehrengäste eingeladen. Unterzeichnet wurde dieser Aufruf mit «Gott mit uns! Mit herzlichem Taubstummengruss!» und der Komiteemitglieder Jean Fischbacher, Präsident, Friedrich Hardmeier, Aktuar sowie Jakob Bärlocher, Kassier.

Da dies mit Kosten verbunden war, haben die St. Galler im «Unterhaltungsblatt für Taubstumme» einen Aufruf für freiwillige Beiträge veröffentlicht, worauf der Taubstummenclub in Zürich in derselben Nummer erwiderte: «Der Klub erklärt hiermit ausdrücklich, dass er mit dem auch schon im «Berliner Taubstummenfreund» abgedruckten Unterstützungs-Aufruf des Komitees in St. Gallen nicht einverstanden ist. Der Taubstummenclub erklärt diesen Aufruf (und dessen Abdruck im Ausland) für eine unwürdige Bettelei, welche sich mit der Ehre der schweizerischen Taub-stummen nicht verträgt.»

«Hochmut kommt vor dem Fall» und dies war hier auch so: Von den oben erwähnten Gästen kam niemand. So fand nur eine schlichte Fahnenweihe statt. Zur Fahnenweihe war das Lokal im Schützengarten mit grünen Tannenzweigen, Fahnen und Wappen verschiedener Kantone dekoriert. Im Hintergrund der Bühne prangte die neue St. Galler Vereinsfahne.

Schon zwei Jahre später, 1876, ist der Taubstummenverein St. Gallen wohl stillschweigend aufgelöst worden.

Revidiert von Gregor Maier